Claudius

I
Claudius,
 
im 1. Jahrhundert v. Chr. auch Clodius, Name eines altrömischen Patriziergeschlechts, seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit einem plebejischen Zweig (Beiname Marcellus). Bekannt wurde v. a. Appius Claudius Caecus, der Zensor des Jahres 312 v. Chr. Er ließ erstmals ein Verzeichnis der Gerichtstage und der Prozessformeln veröffentlichen, erbaute die erste Wasserleitung in Rom und die Via Appia von Rom nach Capua. Als Greis bewirkte er durch eine berühmte, später publizierte Rede die Ablehnung der Friedensvorschläge von König Pyrrhos (280 v. Chr.). Seit Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. trat die Linie mit dem Beinamen Nero hervor, von der die Kaiser Tiberius und Claudius abstammten.
 
 
E. S. Staveley in: Historia, Jg. 8 (1959; zu Appius C. Caecus);
 E. Ferenczy in: Acta Antiqua, Jg. 13, 15 u. 18 (Budapest 1965, 1967 u. 1970).
 
II
Claudius,
 
römischer Kaiser:
 
 1) Tiberius Claudius Nero Germanicus (41-54), * Lugdunum (heute Lyon) 1. 8. 10 v. Chr., ✝ (ermordet?) Rom 13. 10. 54 n. Chr., Sohn des Nero Claudius Drusus. Als Kind kränklich, auch im Alter noch geh- und sprechbehindert, wurde Claudius unter Augustus und Tiberius von jeder politischen Tätigkeit fern gehalten und erhielt erst von Caligula das Konsulat. Nach Caligulas Ermordung erhoben die Prätorianer Claudius gegen den Willen des Senats auf den Thron. Als Kaiser konnte Claudius bedeutende Vorhaben verwirklichen. Die kaiserliche Verwaltung wurde ausgebaut, wobei kaiserliche Freigelassene die Leitung der einzelnen Ressorts übernahmen. Ein neuer Hafen in Ostia sicherte die Getreideversorgung Roms. Eine großzügige Bürgerrechtspolitik und eine aktive Außenpolitik verschafften Claudius Unterstützung bei den Truppen und bei den Provinzialen. Neben der Eroberung Südbritanniens ist die Errichtung neuer Provinzen in Mauretanien (Tingitana und Caesariensis) und Thrakien zu nennen. Der Gegensatz zum Senat führte zu zahlreichen Verschwörungen gegen Claudius (als Folge einer von ihnen wurden 48 n. Chr. seine politisch intrigante dritte Frau Valeria Messalina und ihr Geliebter Gaius Silius hingerichtet). Zur Festigung seiner Stellung heiratete Claudius daher 49 seine Nichte Agrippina die Jüngere, die ihn ebenfalls politisch beherrschte und wohl ermorden ließ, und adoptierte 50 deren Sohn L. Domitius als Nero Caesar (der spätere Kaiser Nero). - Claudius, zu dessen Erziehern der Historiker T. Livius gehörte, verfasste Werke zur römischen, etruskischen und karthagischen Geschichte, ferner eine Autobiographie und grammatische Schriften. Reden des Claudius sind noch erhalten.
 
 
V. M. Scramuzza: The emperor C. (Cambridge, Mass., 1940);
 M. P. Charlesworth: Documents illustrating the reigns of C. and Nero (Cambridge 21951);
 A. Momigliano: C., the Emperor and his achievement (a. d. Ital., Neuausg. New York 1962);
 E. Huzar: C., the erudite emperor, in: Aufstieg u. Niedergang der Röm. Welt, hg. v. H. Temporini u. W. Haase, Tl. 2, Bd. 32, Teil-Bd. 1 (1984).
 
 2) Marcus Aurelius Valerius Claudius Got(h)icus (seit 268), auch Claudius II., * in Dalmatien 219, ✝ Sirmium (heute Sremska Mitrovica) 270; wurde nach der Ermordung des Gallienus auf den Thron erhoben, schlug die in Oberitalien eingedrungenen Alemannen und vernichtete die aus dem Peloponnes zurückflutenden Goten bei Naissus (heute Niš). Er starb an der Pest.
 
 
P. Damerau: Kaiser C. II. Goticus (1934, Nachdr. 1963; Klio Beih. 33);
 
III
Claudius,
 
1) Eduard, eigentlich E. Schmịdt, Schriftsteller, * Buer (heute zu Gelsenkirchen) 29. 7. 1911, ✝ Potsdam 13. 12. 1976; wurde 1932 Mitglied der KPD, emigrierte 1934, lebte später in der DDR, 1956-61 im diplomatischen Dienst. Sein Hauptwerk ist der Roman aus dem spanischen Bürgerkrieg »Grüne Oliven und nackte Berge« (1945); die Autobiographie »Ruhelose Jahre« (1968) reicht bis 1951.
 
Weitere Werke: Erzählungen und Romane: Haß (1947); Gewitter (1948); Salz der Erde (1948); Menschen an unserer Seite (1951); Von der Liebe soll man nicht nur sprechen (1957); Wintermärchen auf Rügen (1965).
 
 2) Hermann, Schriftsteller, * Langenfelde (heute zu Hamburg) 19. 10. 1878, ✝ Hamburg 8. 9. 1980, Urenkel von 3); vorwiegend Lyriker in nieder- und hochdeutscher Sprache. Er begründete die niederdeutsche Großstadtlyrik (»Mank Muern«, 1912, mit »Fieravend an'n Haven«, »De Fabrikschosteen« u. a.), schrieb ebenso altersgemäße wie poetische Kindergedichte und schuf Liedtexte von großer Breitenwirkung (»Wann wir schreiten Seit' an Seit'«), historische und autobiographische Erzählprosa sowie niederdeutsche Theaterstücke.
 
 
N. Numsen: H. C. (1938).
 
 3) Matthias, Dichter, * Reinfeld (Holstein) 15. 8. 1740, ✝ Hamburg 21. 1. 1815; studierte in Jena, gab in Wandsbek 1771-75 eine von J. J. Bode gegründete Volkszeitung heraus (»Der Wandsbecker Bothe«, viermal wöchentlich); lebte auch später meist in Wandsbek, dann in Altona (Revisor bei der Schleswig-Holstein. Bank) und Hamburg. Als der »Wandsbecker Bothe« (so bezeichnete Claudius sich auch selbst) fand er v. a. in Gedichten seinen eigenen gemütstiefen und kindlichen Ton (Abendlied »Der Mond ist aufgegangen«, 1779 entstanden). Claudius stand dem Kreis um F. G. Klopstock, dem Göttinger Hain, dann J. H. Voss und F. L. Stolberg in Eutin nahe und vertrat gemeinsam mit J. K. Lavater, F. H. Jacobi, J. G. Herder und J. G. Hamann einen christlichen und volksnahen Realismus. Er schrieb auch unter dem Decknamen »Asmus«.
 
 
Ausgaben: Asmus omnia sua secum portans oder Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen, 48 Teile (1775-1812; in Teil 1 und 2 sind die Zeitungsbeiträge gesammelt); Werke, herausgegeben von U. Roedl (1978); Sämtliche Werke, Nachwort von R. Siebke (51984); Sämtliche Werke, herausgegeben von J. Perfahl, Nachwort W. Pfeiffer-Belli (51984).
 
 
A. Kranefuss: Die Gedichte des Wandsbecker Boten (1973);
 B. König: M. C. (1976);
 P. Berglar: M. C. In Selbstzeugnissen u. Bilddokumenten (17.-19. Tsd. 1981);
 H. Rowland: M. C. (1990).

Universal-Lexikon. 2012.

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